Kategorien
Reiseberichte & Aktuelles

Ein Lagebericht aus Mombasa und von unseren Kindern im Waisenhaus

Wir alle haben hier in Deutschland mit den Einschränkungen wegen der Corona Krise zu 

kämpfen. Die meisten Menschen stehen zusammen, um eines Tages einmal wieder einen geregelten Alltag erleben zu können. Es wird wohl danach ein anderes Leben sein. Wir haben viel aus diesen „Stürmen“ gelernt, durch die wir hindurch gehen mussten und wir können uns freuen und glücklich schätzen, wenn wir unbeschadet daraus hervor gehen.

Eine ganz andere Lage zeigt sich dagegen in Kenia. Hier in Europa sagt man, dass Afrika bisher ganz glimpflich durch die Corona Krise gekommen ist, ausgenommen vielleicht Südafrika.

Aber wenn man vor Ort ist, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Man hört hier nichts von den Ängsten und Nöten der Menschen im fernen Kenia. Aber die Menschen leiden.

Die Situation der Menschen dort wird immer fataler, ja zunehmend bedrohlicher.

Derzeit 6070 Infizierte, 143 Tote laut der jüngsten Fallzahlen vom 28.Juni 2020.

Das hört sich nicht viel an. Ob diese Zahlen wirklich stimmen, kann man nicht zu 100% sagen. Aber es wird auch in Kenia immer mehr getestet.  Gestern erreichte mich eine Nachricht von unserem befreundeten Arzt Dr. Julius, dass die Zahlen in Kenia stark ansteigen.

Inzwischen zeigt sich, dass Covid-19 in Kenia keine Randerscheinung ist, sondern weite Kreise zu ziehen scheint. Und so verharrte  das Land weiter in einem strikten Lockdown mit strengen Ausgangssperren, die allerdings jetzt langsam gelockert werden sollen, da die Wirtschaft am Boden  liegt.

Vielleicht können Sie sich vorstellen, was das in Kenia bedeutet. Das Leben spielt sich nor-malerweise im Freien ab. Abstand zu seinen Mitmenschen zu halten und nicht gemeinsam das Leben in den Städten und Dörfern zu leben, war bis Februar in Kenia undenkbar. Was die Pandemie mit den Seelen der Menschen anstellt, ist bis jetzt nicht absehbar.

Seit März befindet sich ganz Kenia wegen der Corona-Pandemie im Lockdown. Schulen sind geschlossen, die Menschen dürfen nicht zwischen den 37 Distrikten des Landes reisen, die allermeisten Arbeitsplätze der Leute  sind vernichtet. Das bedeutet für die meisten Menschen: kein Einkommen, kein Geld, keine Lebensmittel, aber Miete zahlen und viele Kinder ernähren.

Kürzlich ging ein rührender Bericht durch die Zeitungen: eine Mutter mit 5 Kindern hatte nichts mehr zu essen und so kochte sie abends Steine in Wasser in einem großen Topf, damit ihre Kinder dachten, am nächsten Morgen gibt es Frühstück und endlich wieder etwas zu essen. Am nächsten Morgen war die Enttäuschung groß.

Oder der alte Großvater der 5 Enkelkindern hat: er sammelte  Abfall auf den Müllplätzen wie alten Mais, der bereits zum Teil verschimmelt war und alte Bohnen die hart und ungenießbar waren, nur damit seine 5 Enkelkinder etwas zum Essen hatten, auch wenn ihre Mägen das schreckliche Essen nicht verdauen konnten.

So schlecht geht es unseren Kindern Gott sei Dank nicht. Sie haben zu Essen. Allerdings einfach und wenig abwechslungsreich.

Der Leiter Joseph wohnt etliche Kilometer von den Kindern entfernt und kann wegen des Lockdowns nicht zu ihnen fahren und sie besuchen.

Gott sei Dank kümmert sich unser kenianischer Freund und Arzt Dr. Julius um die Kinder. Ihm ist es wegen seiner Arzttätigkeit erlaubt, sich von A nach B zu bewegen und er kann zu den Kindern  fahren und ihnen Nahrungsmittel bringen.

Sie sitzen allerdings ständig zu Hause, haben keinerlei Abwechslung, keine Schule,  keine Kirchenbesuche, nichts womit sie sich erfreuen und unterhalten können.

Selbst die wenigen Wochen meiner Anwesenheit waren in diesem Frühjahr statt 9 Wochen auf 3 Wochen reduziert durch meine vorzeitige Abreise wegen Corona. Es gab keine Spiel-tage, kein Schwimmen im Pool oder Besuche am Ozean und kein gemeinsames Kochen. Es war einfach traurig.

Nun erreichte mich die Nachricht heute, dass die Schulen nicht vor 2021 wieder eröffnet werden.  Ich denke voller Mitleid an unsere älteren  Kinder, die entweder die Oberschule besuchen, oder in einer Abschlussklasse sind und in diesem Jahr eigentlich ihre Prüfungen für den Schulabschluss oder den Übergang zur Oberschule hätten machen müssen. Sie haben alle ein ganzes Jahr verloren, denn die Schulen wurden bereits im Februar geschlossen.

Sie sind alle sehr traurig.

Ebenfalls hörte ich heute, dass der Lockdown nun ab sofort aufgehoben wurde, da die Wirtschaft  in Kenia total kollabiert. Die meisten Menschen haben keine Tätigkeiten d. h. keine Einkommen mehr. Also bricht der Hunger aus dort.

Die gute Nachricht ist: Ab August sollen wieder Flüge von Europa nach Kenia gehen, so dass ich mich wieder persönlich kümmern kann um die Kinder.  Aber wie es dann in dem Land aussieht, ist noch ungewiss.

Warten und hoffen wir, dass es alles nicht so schlimm kommt, wie befürchtet wird und dass  das Land sich erholt.  Lassen sie uns alle beten und auf das Beste hoffen.

Barbara Ernst